Wissenswertes über Bremsflüssigkeit
Die Bremsflüssigkeit hat die Aufgabe, die über den Fußbremshebel eingeleiteten Kräfte und Wege auf den/die Radbremszylinder bzw. Bremssättel zu übertragen. Durch Umwandlung der dynamischen Energie des Fahrzeugs in Wärmeenergie durch die Reibung der Bremsbeläge kann die Bremsflüssigkeit bis auf weit über 100 °C erwärmt werden. Da Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist, d. h. sie sich gerne mit der Feuchtigkeit der Umgebung vermischt, kann bei Überschreitung der Siedetemperatur des Wassers (ca. 100 °C) dieses verdampfen und es entstehen Dampfblasen. Die Dampfblasen lassen sich durch den (Brems-) Druck komprimieren, wodurch sich der Weg des Bremshebels vergrößert. Das kann soweit führen, dass bis zum Anschlag des Bremshebels kein Druck mehr aufgebaut werden kann. Manchmal kann man durch rasches Pumpen noch etwas Druck aufbauen, in brenzligen Situationen kann es da aber schon zu spät sein. Winzige Feuchtigkeitströpfchen reichen schon aus, um die Bremse versagen zu lassen, da bei der Phasenumwandlung von Flüssigkeit zu Dampf das Volumen um den Faktor 700!! ansteigt.
Man sollte also schon der Herstellerempfehlung folgen und jährlich die Bremsflüssigkeit wechseln.
Probleme mit den Bremsen, Symptome und deren Ursache
Übermäßiger Bremspedalweg
· Übermäßiger Scheibenschlag drückt die Beläge zu weit zurück (Bremsscheiben abdrehen lassen, Mindestdicke beachten, oder Bremsscheiben wechseln)
· Luft oder nicht genügend Bremsflüssigkeit im Bremssystem (dringend Bremsflüssigkeit ergänzen und Anlage entlüften)
· Ungeeignete Bremsflüssigkeit (dringend Bremsflüssigkeit wechseln und Anlage entlüften. Vorsicht, ungeeignete Bremsflüssigkeit kann die Dichtungen angreifen!)
· Verzogene Bremsbelagträger an einer Trommelbremse (Bremsbelagträger baldmöglichst wechseln)
· Zu großes Radlagerspiel lässt das Rad wackeln und drückt die Beläge zu weit zurück
· Beschädigte Bremskolbendichtungen (unbedingt reparieren)
Keine Bremskraft
· Leck im System, beschädigte Kolbendichtungen (unbedingt reparieren)
· Beschädigte Primärmanschette im Hand-/Fußbremszylinder (unbedingt reparieren)
· Luft im Bremssystem (Bremsanlage unbedingt entlüften)
· Kolben verklemmt z. B. nach Wartungsarbeiten (unbedingt reparieren)
Zu weiche Betätigung des Bremspedals bzw. des Handbremshebels
· Luft im Bremssystem (baldmöglichst entlüften)
· Dampfblasenbildung bei heißer Bremse (unbedingt Bremsflüssigkeit wechseln)
Zu harte Betätigung des Bremspedals bzw. des Handbremshebels
· Öl oder Fett auf den Belägen (unbedingt reinigen, wenn möglich.
Da das Öl/Fett in die Beläge eindringt, ist ein Belagwechsel empfehlenswert. Ursache/Herkunft der Verunreinigung suchen und beseitigen)
· Festsitzende Kolben in den Radbremszylindern bzw. Bremssätteln (unbedingt reparieren)
· Verglaste oder falsche Bremsbeläge (unbedingt Beläge wechseln
Übermäßige Fuß- bzw. Handkraft
· Bremsflüssigkeit oder Fett auf den Belägen (unbedingt reinigen, wenn möglich. Da das Öl/Fett bzw. die Bremsflüssigkeit in die Beläge eindringt, ist ein Belagwechsel empfehlenswert. Ursache/Herkunft der Verunreinigung suchen und beseitigen)
· Festsitzende Kolben (unbedingt reparieren)
· Falsche Belagqualität (Beläge unbedingt wechseln)
Fuß bzw. Handbremshebel pulsiert
· Zu großer Scheibenschlag/unrunde Trommel (abdrehen lassen, dabei Mindestdicke beachten, oder Scheibe/Trommel wechseln)
· Zu großes Radlagerspiel (Bei Motorrädern nur bedingt möglich)
Bremsen werden heiß bzw. schleifen nach Belag-/Scheibenwechsel
· Bremsbelag löst sich nicht, verklemmt oder verschmutzt (unbedingt reparieren)
· Restdruck im System (Spiel, ca. 1 mm, an der Kolbenstange des Fuß bzw. Handbremszylinders kontrollieren)
Gleitführungen an dem/den Bremssätteln verschmutzt oder vergammelt. Führungen reinigen und schmieren.
Bremsgeräusche (Rattern)
· Übermäßiger Seitenschlag der Scheibe (Bremsscheiben abdrehen lassen, Mindestdicke beachten, oder Bremsscheiben wechseln)
· Bremsscheibe verzogen (baldmöglichst Bremsscheiben wechseln)
· Übermäßige Stärkeschwankung der Scheibe (Bremsscheiben abdrehen lassen, Mindestdicke beachten, oder Bremsscheiben wechseln)
· Lose Radlager (bei Motorrädern nur bedingt möglich)
Bremsgeräusche (Quietschen)
· Bremssattel lose (unbedingt reparieren)
· Ein-/Ablaufkanten der (neuen) Beläge nicht gebrochen (gibt sich mit der Zeit, bis dahin teilweise höhere Hand-/Fußkräfte notwendig)
· Aggressive Bremsbelagmischung (Rennbelag)
· Bremskolben fest (unbedingt reparieren)
· Neue, noch nicht eingeschliffene Beläge (gibt sich mit der Zeit, bis dahin teilweise höhere Fuß- /Handkräfte notwendig)
· Rost-/Verschleißrand an Scheiben oder Trommeln (Rost nicht unbedingt schlimm, Verschleiß u. U. fatal
Übermäßiger oder ungleicher Belagverschleiß
· Belagführung schwergängig, verschmutzt (baldmöglichst beheben)
· Schwimmrahmen schwergängig, verschmutzt (baldmöglichst beheben)
· Strammgehende(r) Bremskolben (baldmöglichst beheben)
· Verriefte oder korrodierte Scheiben/Trommeln (baldmöglichst beheben
Bremsflüssigkeit wechseln und Bremsen entlüften
· Wichtige Voraussetzungen: Etwas Fachwissen, ein sauberer Arbeitsplatz und gutes Werkzeug!
· Sicherstellen das alle benötigten Teile vorhanden sind, Bremsleitung, evtl. erforderliche Dichtungen, Bremsflüssigkeit (auf richtige DOT-Nummer achten, z. B. DOT 3, steht im Handbuch bzw. auf dem Bremsflüssigkeitsbehälter), geeigneten Schlauch zum Entlüften der Bremsanlage, geeigneter Auffangbehälter.
· Alle Teile, die nicht mit der Bremsflüssigkeit in Berührung kommen sollen (insbesondere lackierte Flächen) abdecken. Evtl. einen Eimer Wasser zum Abspülen bereitstellen.
Bremsleitung wechseln
· Wichtige Voraussetzungen: Etwas Fachwissen, ein sauberer Arbeitsplatz und gutes Werkzeug!
· Sicherstellen das alle benötigten Teile vorhanden sind, Bremsleitung, evtl. erforderliche Dichtungen, Bremsflüssigkeit (auf richtige DOT-Nummer achten, z. B. DOT 3, steht im Handbuch bzw. auf dem Bremsflüssigkeitsbehälter), geeigneten Schlauch zum Entlüften der Bremsanlage, geeigneter Auffangbehälter.
· Alle Teile, die nicht mit der Bremsflüssigkeit in Berührung kommen sollen (insbesondere lackierte Flächen) abdecken. Evtl. einen Eimer Wasser zum Abspülen bereitstellen.
!!! Achtung !!!
Bremsflüssigkeit ist wirklich sehr aggressiv gegenüber Lacken
und Beschichtungen, nehmt Euch den Rat zu Herzen !!!
· Alle Befestigungsschellen für die Bremsleitung entfernen.
· Deckel des Vorratsbehälters öffnen und die alte Bremsflüssigkeit absaugen. Wer keine entsprechende Saugflasche hat, macht beim nächsten Punkt weiter.
· Bremsleitung unten am Bremssattel lösen und die in der Leitung stehende (ggf. die noch im Behälter vorhandene) Flüssigkeit in einem Behälter auffangen.
· Bremsleitung an starrer Metallbremsleitung abschrauben und die Leitung, ohne das Bremsflüssigkeitsreste an umgebende Teile kommen (Lappen um Anschlussstück wickeln), entfernen.
· Falls die neue Bremsleitung kein Originalteil sondern eine Stahlflexleitung ist, werden nun die Anschlüsse entsprechend der alten Leitung gedreht und ausgerichtet.
· Neue Bremsleitung entsprechend der alten verlegen und am Bremssattel festschrauben. Neue Dichtungsringe verwenden! Das Gewinde im Bremssattel, bei 4 und 6 Kolbenbremssattel ist aus Alu Vorsicht, soweit wie möglich mit der Hand einschrauben. Achtung, Gewinde ist gleich hin.
· Bremsleitung an Metallbremsleitung anschrauben. Das Gewinde der Bremsleitung vorsichtig so weit wie möglich mit der Hand einschrauben.
· Jetzt wieder alle Befestigungsschellen anbringen und die Bremsleitung auf korrekte Verlegung kontrollieren. Auch bei eingeschlagenem Lenker und eingefedertem Federbein darf die neue Leitung nirgendwo den Rahmen, Bremsscheibe oder sonstiges berühren. Darauf achten, dass die Leitung bei entlastetem Federbein nicht unter Spannung liegt.
· Zum Entlüften der Bremsanlage den Entlüftungsschlauch auf das Entlüftungsventil am Bremssattel aufschieben und das andere Ende in ein geeignetes Auffanggefäß hängen. Neue (geeignete) Bremsflüssigkeit in den Vorratsbehälter einfüllen. Nun ein paar Mal mit dem Bremspedal pumpen, um die Bremsflüssigkeit in die Leitung zu drücken. Entlüftungsventil öffnen (ca. 1 Umdrehung, eher weniger), Bremspedal durchdrücken und Entlüftungsventil wieder schließen. Beim ersten Mal kommt wahrscheinlich nichts raus oder es macht nur leicht pfft wegen der noch vorhandenen Luft. Bremspedal wieder ganz loslassen, ein paar Mal pumpen, wieder voll durchdrücken und das Entlüftungsventil wieder öffnen und schließen. Das ganze solange wiederholen, bis die Bremsflüssigkeit blasenfrei am Entlüftungsschlauch austritt. Zwischendurch nicht vergessen, den Vorratsbehälter wieder aufzufüllen, sonst pumpt man sich Luft ins System.
· Zuletzt den Bremsflüssigkeitsstand im Vorratsbehälter auf den vorgeschriebenen Wert auffüllen und den Deckel schließen. Alle Anschlüsse und Befestigungen nochmals kontrollieren. Evtl. mit Bremsflüssigkeit in Berührung gekommene Teile mit viel Wasser reinigen. Dann ist eine vorsichtige Probefahrt angesagt. Nach der Probefahrt alle Anschlüsse und den Vorratsbehälterdeckel auf Dichtheit kontrollieren.
Das alles gibt´s zum offline lesen nochmal hier zum download
Gefunden und zur Verfügung gestellt von Sigmatron (Prelude Portal)
resp. www.prelude-web.de.vu
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